Zugfahrt

Ich fange erst mal mit der Fahrt an. Von Nanjing nach Shanghai gibt es eine ICE Verbindung, die die 270km in ein und ‘ner Viertel Stunde schafft. Schon allein der Bahnhof in Nanjing war wie ein Flughafen organisiert. Am Eingang Taschendurchleuchtung, dann große Tafeln, die einem das Gate anzeigen, sprich den Wartesaal. Da werden dann die einzelnen Züge zum Boarding aufgerufen. Man muss das Ticket eingeben wie am Flugzeuggate und kann dann erst zum Bahnsteig. Bahnhof und Züge sind extrem sauber und hell. Alles ist gut beschriftet. Die Züge werden vor der Abfahrt gereinigt. Aber nicht wie bei uns maschinell im Depot sondern – wie der chinesische Rasen – von vielen Händen mit Lappen und Abzieher von außen. Der Zug fährt also auf die Minute pünktlich los – geräuschlos und ruckelfrei wie im Übrigen die ganze Fahrt mit bis zu 322 angezeigten km/h. Fernsehen mit u.a. Streckenverlaufanzeige und Schaffnerinnen, die wie Stewardessen aussehen, gab’s auch.

Entlang der Strecke gab es denn was von China auf dem Land zu sehen. Hochinteressant. Das Land ist sehr grün. Kleine Orte haben überwiegend ein bis zweigeschossige Einzel- und Reihenhäuser. Rundum hat es dann – ich nenn es mal Baracken – mit Werkstätten und Lagern. Die sind wellblechgedeckt und diese Wellbleche sind knallblau. Schaut man sich China aus der Luft an, hat es viele blaue Dächer. Ergo: es wird viel gearbeitet.

Die größeren Orte sind ziemlich neu. Sprich: sehen aus, wie frisch aus dem Boden gestampft. Da reiht sich dann Hochhaus an Hochhaus. Und komischerweise bauen die niemals ein einzelnes Haus oder Hochhaus, sondern mindestens zehn oder bis zu fünfzig (!!!) gleiche (!!!) auf einmal. So entstehen im Nichts plötzlich neue Städte. Unsereins fragt sich natürlich, wie und warum dann so plötzlich ein ganzer Ort bevölkert werden soll – Chinesen scheinen das ganz normal zu finden. Was ich auch erwähnenswert finde: um die ganzen Neubausiedlungen werden sofort reichlich Baumanpflanzungen vorgenommen, so dass die Orte wohl schnell kuschelig werden (soweit das in den Hochhaussiedlungen eben geht)

Je dichter wir an Shanghai kamen, desto dichter und höher die Hochhäuser. Und dann waren wir da. Schon der Bahnhof: riesengroß und trotzdem gerammelt voll. Für mich reichlich Panikpotenzial in der Enge aber alles geht geordnet raus.

Hier kann man den Streckenverlauf verfolgen