Pelzrecycling

Ich nähe Pelzdecken, -kissen sowie ab und an auch was zum Anziehen aus Pelz. Als Werkstoff benutze ich dabei alte Pelzmäntel und Pelzreste. Eine Form des Pelzrecyclings. Der Kürschner nennt sowas vornehm “Pelzumarbeitung”.

Pelz als Werkstoff ist etwas Wunderbares: Fühlt sich einfach puschelig an. Gibt es in unglaublicher Vielfalt, so daß man immer neue Wunderwerke der Natur und der Pelzveredlung entdecken kann. Beim Arbeiten mit Pelz hat man das Fell immer in der Hand und im Blick und kann nach Herzenslust gestalten. Pelz verzeiht auch handwerkliche Fehler und gibt so die Möglichkeit zum Experimentieren. Eigentlich der Traum jedes handwerklich-kreativen Menschen, oder?

Da traut sich bloß kaum jemand dran, weil wenige Menschen Erfahrung damit haben und auch sonst wenig Aufhebens um die Arbeit mit Fellen gemacht wird. Von der Auffindbarkeit relevanter Informationen im Internet ganz zu schweigen. Das hat drei Gründe:

Die Menge der Pelzgegner und ihr lautstarkes Gehabe verschrecken logischerweise viele Interessierte. Die ausgebildeten Handwerker in dem Beruf, die Kürschner, sind auch nicht gerade daran interessiert, ihr Können jedermann zugänglich zu machen. Und zu guter Letzt sind die einzigen, die im Internet zu ihrer Leidenschaft für Pelz stehen, nur ein paar perverse Fetischisten, mit denen sich niemand gern in eine Reihe stellt.

Die Fetischisten können sich gern woanders umgucken – hier gibt’s nichts zu sehen.

Den Pelzgegnern sei gesagt, daß ich persönlich überhaupt nichts dabei finde, aus alten und ungeliebten Pelzmänteln oder Pelzresten etwas Neues zu zaubern. Im Gegenteil: Die Tiere sind schließlich schon längst tot – egal wie sie vorher gelebt haben – und so hat ihr Tod auch über den ersten Verwendungszeck hinaus mit allem Respekt auch weiter einen Sinn. An toten Haushunden habe ich schon allein deshalb kein Interesse, weil deren Fell gruselig struppig ist und haart. Neue Wildkatzen, Seehundfelle etc. gibt es schon mal gar nicht zu kaufen, weil eben das Washingtoner Artenschutzabkommen beachtet wird. Und im übrigen leben und sterben Pelztiere auf Farmen nicht schlechter als die Kühe, deren Steak gegessen und deren Leder zu Bekleidung verarbeitet wird.

Daß Kürschner nicht sehr auskunftsfreudig sind, wenn es darum geht, anderen Leuten ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, ist auch ok so. Schließlich stolpert dieses Gewerbe von einer Krise in die nächste und die meisten müssen ums Überleben kämpfen und können es sich nicht leisten, potentielle Konkurrenten auch noch mit Wissen zu füttern.

Auf der anderen Seite gibt es viele kreative Menschen, die sicher Spaß daran hätten, aus Fellen oder Pelzen etwas zu fertigen – und damit sicher nie zu einem Kürschner gehen würden. Schon allein aus monetären Gründen. Es gibt nur leider so wenig Information dazu. Jedenfalls habe ich wenig dazu im Netz gefunden. Daher schreibe ich einfach mal auf, was ich mir in einem Jahr alles so beigebracht habe. So soll nach und nach eine Anleitung entstehen, wie man aus altem Pelz etwas Neues machen kann. Das hilft vielleicht anderen Menschen, die auch Spaß am Handarbeiten und ansonsten keine Ahnung haben.

Im Grundsatz besteht das Pelzrecycling aus den nachfolgend beschriebenen Arbeitsschritten Pelzbeschaffung, Werkzeugbereitstellung, Sezieren und Schneidern.