4g Reis und 0,4g Haferflocken - zum Auszählen!
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Tarad'Or - mit wissenschaftlicher Supplementierung

Ein Artikel außerhalb der Reihe: Tarad’Or ist neu und stellt Nassfutter für Hunde als Alleinfutter her. Alleinstellungsmerkmal: „Wir sind sehr stolz, dass es uns mit großem wissenschaftlichem Aufwand gelungen ist, ein Alleinfuttermittel zu konzipieren, mit dem jeder Hund nach seinem persönlichen Bedarf bis in das Mikrogramm exakt optimal mit den Nährstoffen versorgt ist, die er braucht!“

Auf meine Nachfrage, was denn der wissenschaftliche Hintergrund sei, antwortete die Human-HNO-Ärztin so ungefähr, dass man NRC und FEDIAF kennt, einige nicht näher benannte Studien und Fachbücher gelesen sowie einige veterinärmedizinische Kongresse besucht hat.

Kurz mal ein Waffenvergleich: Als Dipl.Kfm. habe ich den Umgang mit Zahlen gelernt. Ich kenne NRC und FEDIAF ebenfalls, lese Studien und Fachbücher aber habe noch keinen tiermedizinischen Kongress besucht. Dafür rechne ich seit mehr als 2,5 Jahren täglich Hundefutter.

Vom Fach ist hier also niemand. Das Konzept verstehe ich nicht und ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass gewichtsklassen-optimierte glockenförmige Zusatzstoff-Zuteilung irgendeinen Sinn ergibt. Zudem kann ich nicht erkennen, dass jeder Hund auch nur ausreichend von allen Nährstoffen erhält – geschweige denn, die optimale Menge.

Inhalt

1. Sortiments-Übersicht
2. Huhn in Nachbau und Analyse
3. Lamm in Nachbau und Analyse
4. Rind in Nachbau und Analyse
5. Fazit

1. Sortiments-Übersicht

Im Angebot befinden sich 3 Sorten Nassfutter, die in 200g-, 400g- und 800g-Dosen erhältlich sind. Dabei sind die Inhalte der Dosen von den Zutaten her gleich – aber an unterschiedliche Gewichtsklassen adressiert und unterschiedlich supplementiert.

Die Fütterungsempfehlungen unterscheiden sich von Sorte zu Sorte und von Dosengröße zu Dosengröße. Ich gehe für 200g-Dosen von einem 2,5kg-Hund mit einem Energiebedarf von 0,8MJ pro Tag, für 400g-Dosen von unserem bereits bekannten 15kg-Standard-Hund mit einem Energiebedarf von 3,1MJ und für 800g-Dosen von einem 43,5kg-Hund mit einem Energiebedarf von 6,9MJ aus. Alle drei Hunde sind zwischen 3 und 7 Jahren alt und normal aktiv. Den Berechnungen zum Energiebedarf liegt die Dissertation von Melanie Thes zugrunde, während die Berechnung des Energiegehalts auf FEDIAF basiert.

Produkt Zusammensetzung Zusatzstoffe Menge empfohlen Menge berechn.
Huhn 200g Huhn (Muskelfleisch, Herz, Leber, Karkasse) (50%) — Reis (33%) — Zucchini (11%) — Haferflocken (5%) — Sonnenblumenöl (1%) 142 IE/kg Vitamin D — 4,9mg/kg Zink — 0,9mg/kg Kupfer — 253μg/kg Jod 225 167
Huhn 400g 180 IE/kg Vitamin D — 12,5mg/kg Magnesium — 8,8 mg/kg Zink — 0,76mg/kg Kupfer — 309μg/kg Jod 700 638
Huhn 800g 143 IE/kg Vitamin D — 4,8mg/kg Zink — 0,3mg/kg Kupfer — 250μg/kg Jod 1800 1418
Lamm 200g Lamm (Muskelfleisch, Herz, Leber, Niere Hals) (50%) — Kartoffeln (30%) — Karotten (13,6%) — Haferflocken (5%) — Sonnenblumenöl (1%) — Eierschalenpulver (0,4%) 152μg/kg Jod 225 225
Lamm 400g 192μg/kg Jod 800 864
Lamm 800g 156μg/kg Jod 2000 1919
Rind 200g Rind (Muskelfleisch, Herz, Leber, Lunge) (50 ) — Kartoffeln (30) — Rote Bete (13,6%) — Haferflocken (5%) — Sonnenblumenöl (1%) — Eierschalenpulver (0,4%) 55 IE/kg Vitamin D — 190μg/kg Jod 275 197
Rind 400g 79 IE/kg Vitamin D — 219μg/kg Jod 932 755
Rind 800g 42 IE/kg Vitamin D — 165μg/kg Jod 2200 1678

2. Das Huhn im Nachbau

Schauen wir uns also an, welche Nährwerte zu erwarten sind. Wie immer werfe ich Hannes Seinen Futterrechner an und baue das Rezept rechnerisch nach mit frischen Zutaten. Es werden Nährstoffgehalte aus dem Bundeslebensmittelschlüssel via ÖNWT gegen den Nährstoffmindestgehalt gemäß FEDIAF (Seite 58) gerechnet. Beide Quellen kann man als Goldstandard der Bedarfsdeckungsrechnung betrachten. Da Menschen keine Knochen essen, kommen diese im BLS auch nicht vor – und sind hilfsweise basiert auf einer Untersuchung von Kienzle/Dobenecker. Am Ende sind die Mengen und daraus errechneten Nährwerte Schätzungen und dürfen sehr gerne vom Hersteller mittels Laboranalysen widerlegt werden.

Starten wir mit der Sorte Huhn. Die vermeintlich offene Zutatenliste lässt erstaunlich viel Interpretationsspielraum:

Das Produkt enthält 38% Reis und Haferflocken – aber nur 3,6% Kohlenhydrate. Dies ist nur erreichbar, wenn die beiden Komponenten nicht wie haushaltsüblich im Verhältnis 1:2 bzw 1:4 gekocht werden sondern im Verhältnis 1:7,6. Somit sind in 100g des Produkts ca. 4g trockene Reiskörner und 0,4g Haferflocken mit 33,6g Wasser gekocht. Diese Menge ist in Körnern auf dem Titelbild zu sehen. Die Körner dürfen abgezählt werden.

Das Produkt enthält 50% Hühnerteile – aber stolze 12,3% Protein. Damit müsste das Huhn aus fast 25% Protein bestehen, was nicht einmal bei der schieren Hühnerbrust ohne Haut der Fall ist. Der deklarierte Prozentsatz ist – rein logisch betrachtet – nicht erreichbar.

Zusätzlich muss aus der Karkasse dann noch 0,36% Kalzium in die Dose – aber nur 0,2% Phosphor. Auch das ist unmöglich, denn das Knochen-Kalzium ist an Phosphor gebunden und es liegt üblicherweise ein Ca:P-Verhältnis von 36:25 oder 1,44 nur im Knochen vor. Hinzu kommt weiterer Phosphor aus dem übrigen Hühnergewebe. Das deklarierte Ca:P-Verhältnis von ungünstigen 1,8 muss zwingend unter 1,4 liegen. Wahlweise ist noch anderer Kalk enthalten oder die Analysewerte stimmen nicht. Um die Mineralisierung in die Nähe der angegebenen Werte zu bringen, verwende ich Hühnerhälse anstelle der ganzen Karkasse.

Lebensmittel Gramm kJ Prot Fett KH Faser Asche Ca P
Wasser 33,6 0 0 0 0 0 0
Huhn,ganz tiefgefroren o,Knochen 18,6 129 3,7 1,8 0 0 0,2 0,03
Huhn,Herz tiefgefroren 12,5 65,2 2,2 0,7 0,1 0 0,1 0,02
Zucchini frisch 11,0 10,5 0,2 0 0,3 0,1 0,1
Huhn,Hals mit Kn, ohne Haut 10,0 67,3 1,9 1 0 0 0,6 0,17 0,11
Huhn,Leber tiefgefroren 7,5 42,8 1,7 0,4 0,1 0 0,1 0,02
Reis,parboiled 4,0 59,3 0,3 0 3,2 0,1 0
Huhn,Fett 1,4 51,8 0 1,4 0 0 0
Sonnenblumenöl 1,0 36,7 0 1 0 0 0
Hafer,Flocken 0,4 6,2 0,1 0 0,2 0 0
Summe 100,0 468,7 10,0 6,3 3,8 0,2 1,2 0,18 0,19
Original 490 12,3 6,3 3,6 0,3 1,6 0,36 0,2
Abweichung -21,3 -2,3 0 0,2 -0,1 -0,4 -0,18 -0,01

Man erkennt in Summe deutlich, dass der gegenüber der Deklaration geringere Proteingehalt eine geringere Energiedichte ergibt, so dass Hund weniger davon futtern müsste als eingangs aus den Weender-Analyse-Werten berechnet wurde. Wir verfüttern nun rechnerisch die unsupplementiert berechnete Dose nicht gemäß Fütterungsempfehlung sondern energiebedarfsdeckend an die oben beschriebenen 3 Hunde und schauen uns die Bedarfsdeckung mit Mikronährstoffen in der jeweiligen Gewichtsklasse an.

174g/2,5kg-Hund Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 176Prot382Arg358His346Ile291Leu563Lys186Met143MC237Phe265PT257Thr190Trp284Val100% 667g/15kg-Hund Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 176Prot382Arg354His346Ile293Leu569Lys188Met144MC239Phe266PT260Thr195Trp286Val100% 1.482g/43,5kg-Hund Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 176Prot384Arg356His346Ile292Leu567Lys189Met144MC238Phe265PT260Thr193Trp286Val100%

Man sieht, dass die Hunde unterschiedlichster Gewichtsklassen mit allen essentiellen Aminosäuren gleich gut versorgt sind.

174g/2,5kg-Hund Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 114Ca150P89K217Na88Cl75Mg37Cu17J118Fe125Mn0Se*44Zn100% 667g/15kg-Hund Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 115Ca149P91K222Na93Cl80Mg37Cu9J118Fe126Mn0Se*44Zn100% 1.482g/43,5kg-Hund Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 115Ca150P91K224Na91Cl79Mg37Cu10J118Fe127Mn0Se*44Zn100%

Auch bei den Mineralien und Spurenelementen liegt ein – bis auf Rundungsdifferenzen – gleichförmiges Versorgungsprofil in allen drei Gewichtsklassen vor. Kalium und Chlorid schwächeln etwas, werden aber in keiner Gewichtsklasse Mängel erzeugen. Magnesium ist recht knapp – an der Grenze zu defizitär. Jod, Kupfer und Zink sind durchgängig im gleichen Umfang supplementierungsbedürftig.

174g/2,5kg-Hund Vitamine Bedarfsdeckung in % 4391A22D36E192B1203B2259B5500B6240B12957B3520B9100% 667g/15kg-Hund Vitamine Bedarfsdeckung in % 4393A22D36E196B1204B2260B5513B6240B12961B3520B9100% 1.482g/43,5kg-Hund Vitamine Bedarfsdeckung in % 4390A22D36E195B1204B2259B5501B6240B12961B3520B9100%

Selbst bei der Vitaminlage sind keine Unterschiede in den Gewichtsklassen zu erkennen. Vitamine D und E fehlen, Vitamin A ist mehr als reichlich enthalten, die B-Vitamine dürften eine Dosengarung ausreichend überstehen.

Schauen wir uns nun die deklarierten Zusatzstoffe an:

Zusatzstoffe/kg Einheit Zwerghunde mittelgroße Hunde Großhunde
Vitamin D IE 142 180 143
Vitamin E mg - - -
Magnesium mg - 12,5 -
Zink mg 4,9 8,8 4,8
Kupfer mg 0,9 0,76 0,3
Jod µg 253 309 250

Generell scheinen die meisten Defizite (bis auf Vitamin E) erkannt worden zu sein. Warum nun mittelgroße Hunde einen signifikant abweichenden Nährstoffbedarf zu Zwerg- und Großrassen haben sollen oder warum der Kupferbedarf mit zunehmender Größe abnehmen sollte, erschließt sich mir nicht. Mir sind keinerlei Studien bekannt, die ein solches Muster rechtfertigen. Darüber hinaus ist mir keine einzige Futtermarke bekannt, die auf diese Weise supplementiert.

Fügen wir also nun die Zusatzstoffe zu unserem errechneten Futter hinzu und prüfen, wie sich die Versorgungslage ändert: (- = ohne Zusatzstoff; + = mit Zusatzstoff)

174g/2,5kg-Hund Änderung Bedarfsdeckung in % 36D- 103D+ 100% 75Mg- 75Mg+ 37Cu- 75Cu+ 17J- 83J+ 44Zn- 66Zn+ 100% 667g/15kg-Hund Änderung Bedarfsdeckung in % 22D- 105D+ 100% 80Mg- 87Mg+ 37Cu- 70Cu+ 9J- 100J+ 44Zn- 83Zn+ 100% 1.482g/43,5kg-Hund Änderung Bedarfsdeckung in % 22D- 105D+ 100% 79Mg- 79Mg+ 37Cu- 50Cu+ 10J- 82J+ 44Zn- 65Zn+ 100%

Man erkennt sehr schön: Vitamin D ist ausreichend für alle Klassen hinzugefügt worden. Sofern man nach FEDIAF rechnet – falls nach NRC gerechnet wird, reicht der Zusatz nicht zur Erzielung der Bedarfsdeckung aus. Nur die mittelschweren Hunde haben überhaupt einen Nutzen aus der Supplementierung. Und selbst diese bekommen lediglich ausreichend Jod. Was die Mini-Menge Magnesium und auch nur für mittelschwere Hunde bringen soll, weiß ich wirklich nicht. Auch die Kupfer und Zink-Zusätze sind durchgängig nicht ausreichend.

Der streng wissenschaftliche Hintergrund für diese ungewöhnlich Formulierung nach 2 Jahren Entwicklungszeit würde mich wirklich brennend interessieren! Habe ich umwälzende Neuerungen in der Hundeernährung verpasst? Rechnen alle professionellen Ernährungsberater mit fachtierärztlichem Hintergrund falsch? Nicht nur Hannes sein Futterrechner, den ich als Hobby selber programmiert habe, folgt diesen Prinzipien – auch Dietcheck Munich von der LMU oder Dr. Fritz von Napfcheck rechnen nach denselben Prinzipien. Nur kommt man da ohne Tierarzt-Approbation und/oder teures Eintrittsgeld nicht mal so eben für lau daran. Selbst die BARFer-Szene kennt Nährwertberechnungen und andere ideologiefreie Ernährungsberater wie Heidi Herrmann ebenso. Kann es sein, dass Tarad’Or mit diesem Alleinstellungsmerkmal wirklich allein bleibt?

Ich würde mich – rein wissenschaftlich – neben der Bedarfsdeckung auch noch um ein paar Kennzahlen kümmern:

Kennzahlen zu Nährstoffen 1230Ca:P0.985.5785Harn-pH6.32030300EASy24.461020250Prot/MJ21.21003803800LA%38025180ω6:ω316.5

Ich entschuldige mich ausdrücklich für die zynischen Worte im vorhergehenden Absatz – aber in diesem Futter geht mir einfach zu viel gegen den Strich bezogen auf die herrschende Lehrmeinung zur Ernährung von Hunden. Anstelle von Gewichtsklassen-basierter Supplementierung sollte diese einfach auf den weniger aktiven alternden Hund eingestellt werden. So bekommen alle Hunde ausreichend Nährstoffe. Und dann dürften auch Zwerg- und Riesenhunde, selbst mit geringerem Grundumsatz als der Standard, davon profitieren. Wenn die Gewichtsklassen-Idee eine gute wäre, wären die akademisch ausgebildeten und täglich im Ernährungswesen für Kleintiere tätigen Fachleute sicher auch schon darauf gekommen, oder?

Sollte hier nun tatsächlich etwas Neues und Sinnvolles umgesetzt worden sein, lasse ich mich gern mittels guter (!) Studien und valider (!) Analysewerte darauf ein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Konzept für mich ein fulminanter Irrlauf.

3. Lamm in Analyse und Nachbau

Bauen wir nun die Sorte Lamm nach. Ich verzichte auf die Ausarbeitung von gewichtsklassenbasierten Supplementen.

Der Hals vom Lamm ist nun gerade kein prominenter Calcium-Lieferant – ich nehme hilfsweise Lamm-Rippen und zwar genau so viel, wie Kalzium in den den Analyse-Werten ausgewiesen ist. Also praktisch unnötig. Für ein Lamm-basiertes Futter ist der Fettgehalt ungewöhnlich gering. Generell sind die ausgewiesenen Analysewerte im Gegensatz zur Sorte Huhn jedoch plausibel und können ohne große Verrenkungen wie bei der Sorte Huhn erreicht werden. Die Zutatenliste interpretiere ich wie folgt:

Lebensmittel Gramm kJ Prot Fett KH Faser Asche Ca P
Lamm,Fleisch 4% Fett roh 38,5 189 8 1,4 0 0 0,5 0,07
Kartoffeln ungeschält gegart 30,0 72,9 0,5 0 3,6 0,3 0,2
Mohrrübe frisch 13,6 22,2 0,1 0 0,9 0,4 0,1
Lamm,Herz frisch 3,9 19,3 0,6 0,2 0 0 0
Lamm,Leber frisch 3,6 20,3 0,7 0,2 0,1 0 0,1 0,01
Lamm,Niere frisch 3,5 14,1 0,6 0,1 0 0 0
Wasser 3,5 0 0 0 0 0 0
Hafer,Flocken 1,5 23,4 0,2 0,1 0,9 0,1 0
Sonnenblumenöl 1,0 36,7 0 1 0 0 0
Lamm,Rippen RFK 0,5 3,9 0,1 0,1 0 0 0 0,2 0,01
Eierschale 0,4 0 0 0 0 0 0,2 0,15
Summe 100,0 401,7 10,8 3,1 5,5 0,9 1,1 0,17 0,13
Original 362 10,8 3,1 5,4 1,3 1,2 0,17 0,11
Abweichung 39,7 0 0 0,1 -0,4 -0,1 0 0,02

Das ganze füttere ich energiebedarfsdeckend mit 778g rechnerisch an 15kg Hund – unabhängig von Gewichtsklassen:

Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 223Prot514Arg520His415Ile392Leu809Lys244Met181MC310Phe368PT340Thr234Trp381Val100% Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 124Ca118P203K143Na177Cl107Mg211Cu9J166Fe84Mn0Se*82Zn100% Vitamine Bedarfsdeckung in % 1911A43D20E293B1235B2233B5350B6701B121280B3346B9100% Kennzahlen zu Nährstoffen 1230Ca:P1.345.5785Harn-pH6.72030300EASy24.25102026.90Prot/MJ26.91001761760LA%17625140ω6:ω312.7

Mangan und Zink sind knapp, speziell für die älteren und wenig aktiven Hunde sogar defizitär. Jod sowie Vitamine E und D sind praktisch nicht vorhanden. Man sieht sehr deutlich, welch ein potenter Kupfer-Lieferant die Lammleber im Vergleich zur Hühnerleber sein kann. Im Vergleich zur Hühnerleber wird der Vitamin-A-Gehalt auch deutlich reduziert in akzeptable Größenordnungen. Im Hinblick auf die Nährstoffbalance wäre es hilfreich, mehr Niere für mehr Zink und weniger Leber für weniger Kupfer einzuwerfen. Ein etwas höherer Fettgehalt könnte das Protein-Energie-Verhältnis verbessern. Dazu könnte man direkt etwas EPA/DHA aus Fisch, Krill oder Algenöl verwenden, um das Fettsäurenprofil zu verbessern.

Zusatzstoffe/kg Einheit nativ Bedarf max. Zusatz Summe
Vitamin D µg 1,26 2,9 - 1,26
Vitamin E mg 1,50 7,62 - 1,50
Zink mg 12,53 15,24 - 12,53
Jod mg 0,02 0,23 0,16 0,17

Es wird lediglich Jod ergänzt, und dieses auch nicht mal ausreichend. Völlig unverständlich!

4. Rind in Analyse und Nachbau

Und zum Schluss die Sorte Rind. Wie Lamm ebenfalls ohne Verrenkungen nachbaubar. Auch hier ohne gewichtsklassenbasierte Supplemente.

Lebensmittel Gramm kJ Prot Fett KH Faser Asche Ca P
Kartoffeln ungeschält gegart 30,0 72,9 0,4 0,0 3,6 0,3 0,2
Rind,Fleisch 04% Fett 22,5 114,2 4,6 0,9 0,0 0,0 0,2 0,04
RoteBete frisch 13,6 26,5 0,2 0,0 1,1 0,3 0,1
Rind,Herz tiefgefroren 12,5 64,7 2,1 0,8 0,1 0,0 0,1 0,02
Rind,Leber frisch 8,0 44,2 1,5 0,3 0,4 0,0 0,1 0,03
Rind,Lunge frisch 7,0 29,1 1,3 0,2 0,0 0,0 0,1 0,02
Wasser 3,5 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Hafer,Flocken 1,5 23,4 0,2 0,1 0,9 0,1 0,0
Sonnenblumenöl 1,0 36,7 0,0 1,0 0,0 0,0 0,0
Eierschale 0,4 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,2 0,15
Summe 100,0 411,7 10,3 3,3 6,1 0,7 1,0 0,16 0,13
Original 414 12,6 3,3 6,1 1,1 1,2 0,16 0,13
Abweichung -2,3 -2,3 0 0 -0,4 -0,2 0 0

Das ganze füttere ich energiebedarfsdeckend mit 759g rechnerisch an 15kg Hund – unabhängig von Gewichtsklassen:

Aminosäuren Bedarfsdeckung in % 209Prot465Arg520His426Ile402Leu736Lys235Met183MC318Phe351PT334Thr247Trp388Val100% Mineralstoffe Bedarfsdeckung in % 116Ca118P209K200Na147Cl107Mg193Cu22J256Fe96Mn0Se*94Zn100% Vitamine Bedarfsdeckung in % 2862A68D26E293B1262B2322B5510B6844B121421B3898B9100% Kennzahlen zu Nährstoffen 1230Ca:P1.255.5785Harn-pH6.72030300EASy26.16102025.20Prot/MJ25.21001641640LA%16425140ω6:ω312.9

Rindertypisch ist Zink bei ausreichender Fleischfütterung bedarfsdeckend zu erwarten. Weniger Leber wäre auch noch ausreichend und im Hinblick auf Vitamin A und die Relation zu Zink sogar besser..Wie in allen Sorten fehlen Vitamine D, E und Jod.

Zusatzstoffe/kg Einheit nativ Bedarf max. Zusatz Summe
Vitamin D µg 1,98 2,9 1,50 3,48
Vitamin E mg 1,99 7,62 - 1,99
Zink mg 14,27 15,24 - 14,27
Jod mg 0,05 0,23 0,17 0,22

5. Fazit

Wir haben hier eine Futtermarke gesehen, die neue Weg*e gehen will. Wir haben gesehen, dass die drei Grundsorten sehr *klassisch zusammengesetzt sind und die ebenso klassischen Lücken aufweisen. Bei der Sorte Huhn stimmen Zutatenliste und Analysewerte bei Protein, Kohlenhydrate sowie Kalzium nicht überein.

Das Konzept sieht als große Neuerungen vor, dass kleine und große Hunderassen signifikant weniger Schlüsselnährstoffe benötigen als mittelgroße, während der Kupferbedarf mit zunehmender Rassegröße zunimmt. Ein wissenschaftlicher Beleg für diese Thesen wurde nicht vorgelegt, trotz vollmundiger Behauptungen..

Es ist ebenfalls klassisches Vorgehen in der Futtermittelentwicklung, Zusatzstoffe am Bedarf auszurichten und dieses mikrogrammgenau zu berechnen. Ebenso klassisch ist es, differenzierte Fütterungsempfehlungen auszurechnen und anzugeben.

Diese Herleitung hat gezeigt, dass die Energie- und Nährstoffbedarfe bei Hunden unterschiedlicher Gewichtsklassen über die Referenzierung auf das Stoffwechselgewicht (BW 0,75) anstelle des Körpergewichts (BW) dem immer gleichen Muster folgen: Mit zunehmendem Körpergewicht unterproportional linear steigend. Ein glockenförmiger Verlauf des Nährstoffbedarfs in Abhängigkeit zum Körpergewicht ist relativ unwahrscheinlich. Andererseits zeigt sich in verschiedenen Studien z.B., dass große Hunde gegenüber Zwerghunden durchaus erhöhte Bedarfe an nicht essentiellen Nährstoffen wie Taurin, Carnitin oder Glucosamin haben könnten.

Das „neue Konzept“ sieht weder bei den differenzierten Fütterungsempfehlungen noch in der (ohnehin nicht ausreichenden) Supplementierung vor, dass Hunde je nach Lebenssituation unterschiedliche Energiebedarfe haben. So hat beispielsweise der einjährige unkastrierte 15kg-Parson Russell, der täglich mehr als 2,5 Stunden mit seinen Menschen aktiv unterwegs ist und außerdem noch mit drei Hundekumpels durch die Wohnung trollt, mit 5,1MJ einen höheren Umsatz als ein achtjähriger kastrierter 30kg-Golden Retriever-Rüde, der ohne Kumpels zuhause einfach rumliegt und täglich vielleicht eine Stunde um den Block trottet, mit 3,6MJ.

Während der Parson-Russell mit dem Tarad’Or-Futter trotz recht knapper Supplementierung vollumfänglich versorgt ist, wird unser Golden Retriever mit diesem Futter erhebliche Mangelerscheinungen entwickeln, da er eben wegen geringem Energiebedarf nicht mehr die notwendigen Mengen frisst, um alle Nährstoffe aufzunehmen. Oder er wird halt fett – dann hat er trotz ausreichenden Mikronährstoffen schwere gesundheitliche Probleme.

Die Fütterungsempfehlung ist ebenso wie die Nährstofflage und die Supplementierung nicht geeignet für wenig aktive Hunde und Senioren, sowie Hunde mit geringem Grundumsatz. Ein „Alleinfuttermittel für erwachsene, gesunde und normal aktive Hunde“ muss aber auch diese Hunde adäquat versorgen, denn auch der Senior ist erwachsen und hoffentlich gesund und auch wenig Action im Hundeleben ist normal für den jeweiligen Hund und Halter.

Ich lasse mich gerne von der Zweckeignung überzeugen durch Vorlage der vollständigen Nährstoffanalysen. Und die Studien, auf denen die „Glocken-Supplementierung“ basieren, würde ich auch gerne kennen lernen.



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