Schneidern
Das Prinzip beim Schneidern mit Pelz ist identisch mit dem Schneidern mit Stoff. Es besteht in den Arbeitsschritten Schnittkanten markieren, Zuschneiden, Zusammennähen – dennoch gibt es ein paar Unterschiede:
- Beim Pelz braucht es keine Nahtzugabe
- Man schneidet niemals mit der Schere, sondern immer mit einem Messer
- Nähte sind auf der Fellseite unsichtbar, wenn man beim Zusammensetzen auf die Haarrichtung achtet
- Man muß nichts umsäumen, da nichts ausfransen kann
- Man kann auch nach dem Nähen die Form des Werkstücks noch – in Maßen – ändern
Nachfolgend einige Bemerkungen zu den einzelnen Arbeitsschritten:
1. Schnittkanten markieren
Bereits vor dem Abnehmen des Musters auf der Lederseite muß man sich die Passung auf der Fellseite genau ansehen, denn wenn die Richtung der Haare ignoriert wird, kann man nachfolgend noch so genau schneiden und nähen – das wird immer zu sehen sein. Das Muster wird mit einem Kuli, einem Kajal, Schneiderkreide oder einem Wachsmalstift eingezeichnet.
Runde Schnitte werden direkt als Umriß nachgefahren. Als Muster kann eine Pappschablone ebenso dienen, wie der Umriß des Teils, in das eingepaßt werden soll.
Gerade Schnitte zeichnet man am besten mit dem Lineal ein. Es empfiehlt sich, nicht bloß ein Schul-Lineal zu haben, sondern auch längere.
2. Zuschneiden
Beim Zuschneiden kommt es neben der exakten Schnittführung vor allen darauf an, nur das Leder zu schneiden und die Haare auf der Fellseite nicht zu zerschneiden. Deshalb: Niemals die Schere benutzen, sondern ein scharfes Messer. Ich benutze ein Cuttermesser. Zum Schneiden hebt man das Fell genz leicht an und gleitet dann förmlich mit dem Messer durch das Leder.
Ferner sollte man bloß niemals auf die Idee kommen, direkt am Lineal entlang zu schneiden.
Denn: damit das Fell nicht rutscht, muß man das Lineal ganz schön fest an die Unterlage anpressen. Damit werden dann auch die Haare an das Leder gepreßt und somit automatisch mit durchgeschnitten. Das Ergebnis sähe dann so aus wie die rechten drei Viertel im folgenden Bild – bei der linken Ecke ist das Fell angehoben und nur das Leder locker durchschnitten worden:
Wenn man das dann wieder an ein anderes Stück Fell näht, sähe das so aus – und das will wirklich niemand haben:
3. Nähen
Je nach Werkzeug ist das Nähen mehr oder minder einfach und das Ergebnis mehr oder minder schön auf der Lederseite – von der Haarseite aus betrachtet, macht es im Ergebnis keinen Unterschied.
3.1. von Hand nähen
Zum Nähen mit der Hand braucht man unbedingt eine Ledernadel und festen Zwirn. Die Ledernadel, damit man überhaupt durch das Leder durchkommt und den Zwirn, weil jeder andere Faden spätestens beim dritten Stich reißen würde – das Durchziehen durch das Leder beansprucht das Garn ganz schön.
Man sticht dicht an der Schnittkante (so etwa 1 mm) und dicht an dicht – so wird die Naht schön flach und sieht dann vielleicht so aus:
Vorteile: Flache Naht, auch an schlecht zugänglichen Stellen und in Kurven und Ecken problemlos anwendbar, mit normalen Haushaltsmitteln ohne Invest von jedermann durchführbar
Nachteile: Ausdauer erforderlich. Die Naht im Bild ist ca. 5 cm lang und hat fast fünf Minuten gedauert.
3.2. mit der Haushaltsnähmaschine nähen
Auch für die Haushaltsnähmaschine braucht man Ledernadeln – andere brechen sofort ab. Man kann allerdings jedes maschinentaugliche Garn benutzen.
Man näht so dicht an der Schnittkante wie möglich und verwendet kurze Stiche bei Geradeausnaht. Das Ergebnis sieht dann vielleicht so aus:
Vorteile: Geht schnell, besonders bei längeren Nähten
Nachteile: Ergibt niemals eine flache Naht, ist sehr frickelig, weil der Pelz leicht ins Rutschen kommt, die Haare werden auf der Rückseite immer ein wenig rauskommen, ist evtl. nicht auf jeder Nähmaschine möglich (hab’s halt nur auf meiner eigenen getestet und die ist zwar alt, aber ein Profimodell)
3.3. mit der Pelznähmaschine nähen
Es ist überhaupt nur möglich, mit maximal ca. 1 mm. Nahtzugabe zu nähen und sieht dann so aus, wie die Nähte, die Sie in Ihrem Pelzmantel auch vorfinden:
Vorteile: Geht schnell und exakt, macht flache Nähte
Nachteile: Pelznähmaschine ist teuer in der Anschaffung