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Lila Loves It - Deklaration, Vollanalyse und Nachbau

Ein Artikel außerhalb der Reihe: Lila Loves It ist neu seit November und stellt u.a. Nassfutter für Hunde als Alleinfutter her. Auf Anfrage wurde zu zwei Sorten eine Vollanalyse ausgehändigt und in einem kleinen Nutzerkreis diskutiert. Hier die Ergebnisse

Inhalt

1. Sortiments-Übersicht
2. Die Ente in Nachbau und Analyse
2.1. Die Aminosäuren
2.2. Die Spurenelemente und Mineralien
2.3. Die Vitamine
2.4. Das Fett
3. Das Rind in Nachbau und Analyse
4. Empfehlungen zur Optimierung des Futters

1. Sortiments-Übersicht

Im Angebot befinden sich 5 Sorten Nassfutter, die in 150g-Beuteln sowie 400g- und 800g-Dosen erhältlich sind.

Zunächst ein Überblick über die offen deklarierten Zutaten und die erforderliche Menge zur Kalorienbedarfsdeckung des erwachsenen 15kg-Standard-Hundes.

Die Fütterungsempfehlungen unterscheiden sich von Sorte zu Sorte und sind nicht linear mit dem Körpergewicht steigend – aber ich kann nicht direkt ablesen, wie viel für einen 15kg-Hund empfohlen wird. Daher schätze ich mal, dass die Empfehlung in der halben Bandbreite für Hunde zwischen 10 und 20kg liegt. Bei unserem 15kg-Hund unterstelle ich einen Energiebedarf von 3,1MJ. Die interpretierte Fütterungsempfehlung passt sehr gut zum Energiebedarf unseres 15kg-Hundes, sofern die Deklarationen zutreffend sind.

Gleich vorweg genommen: Die Unterschiede zwischen den Weender-Daten der Deklaration und der Vollanalyse haben eine direkte Auswirkung auf die benötigte Futtermenge – und falls die Vollanalyse zutreffend ist, passen die Fütterungsempfehlungen wegen der tatsächlich höheren Energiedichte nicht mehr.

Produkt Zusammensetzung Menge empfohlen Menge berechn. Feuchte Protein i.TS. Fett i.TS. KH i.TS. Faser i.TS Asche i.TS
Bio-Ente mit Kürbis (Original) 50 % Ente* (82 % Brustfleisch, 5 % Hälse, 5 % Herzen, 5 % Karkasse, 3 % Leber), 15 % Kürbis*, 8 % Reisvollkornflocken*, 5 % Topinambur*, 1,5 % Kokosraspel*, 1 % Mineralstoffe, 0,7 % Hanföl*, 0,3 % Schwarzkümmelöl*, 0,1 % Curcuma*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang), 0,1 % schwarzer Pfeffer* 655
(510–800)
632 74 37.7 30 19.6 6.5 6.2
Bio-Ente mit Kürbis (Vollanalyse) 50 % Ente* (82 % Brustfleisch, 5 % Hälse, 5 % Herzen, 5 % Karkasse, 3 % Leber), 15 % Kürbis*, 8 % Reisvollkornflocken*, 5 % Topinambur*, 1,5 % Kokosraspel*, 1 % Mineralstoffe, 0,7 % Hanföl*, 0,3 % Schwarzkümmelöl*, 0,1 % Curcuma*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang), 0,1 % schwarzer Pfeffer* 655
(510–800)
492 68.3 30.3 29.3 29.3 1.9 9.1
Bio-Huhn mit Reis & Fenchel 50 % Huhn* (82 % Brustfleisch, 5 % Hälse, 5 % Herzen, 5 % Karkasse, 3 % Leber), 15 % Reis*, 8 % Fenchel*, 8 % Apfel*, 1 % Kamille*, 1 % Mineralstoffe, 0,7 % Hanföl*, 0,3 % Leinöl*, 0,3 % Eierschale*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang) 630
(480–780)
628 74.5 39.6 27.5 22.4 3.5 7.1
Bio-Rind mit Dinkelflocken (Original) 50 % Rind* (62 % Muskelfleisch, 25 % Herz, 10 % Lunge, 3 % Leber), 15 % Dinkelflocken*, 10 % Karotten*, 3 % Wurzelpetersilie*, 1 % Leinsamen*, 1 % Petersilie*, 1 % Mineralstoffe, 0,7 % Hanföl*, 0,3 % Borretschöl*, 0,3 % Eierschale*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang) 690
(530–850)
686 74.1 42.5 22.8 21.2 6.9 6.6
Bio-Rind mit Dinkelflocken (Vollanalyse) 50 % Rind* (62 % Muskelfleisch, 25 % Herz, 10 % Lunge, 3 % Leber), 15 % Dinkelflocken*, 10 % Karotten*, 3 % Wurzelpetersilie*, 1 % Leinsamen*, 1 % Petersilie*, 1 % Mineralstoffe, 0,7 % Hanföl*, 0,3 % Borretschöl*, 0,3 % Eierschale*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang) 690
(530–850)
558 70.1 35.8 24.1 29.8 4.3 6
Lamm mit Süßkartoffel – Sensitiv 53 % Lamm (60 % Muskelfleisch, 25 % Herz, 10 % Lunge, 5 % Leber), 18 % Süßkartoffel*, 1 % Flohsamenschalen*, 1 % Hanföl*, 1 % Mineralstoffe, 0,3 % Eierschale*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang) 740
(580–900)
743 77.1 41.5 26.2 18.8 6.1 7.4
Wild mit Pastinake 53 % Wild (62 % Muskelfleisch, 25 % Herz, 10 % Lunge, 3 % Leber), 15 % Pastinake*, 6 % Sellerie*, 3 % Birne*, 2 % Preiselbeeren*, 1 % Hagebutten*, 1 % Mineralstoffe, 1 % Hanföl*, 0,2 % Eierschale*, 0,1 % Löwenzahn getrocknet*, 0,1 % Meeresalge* (Knotentang) 730
(580–880)
717 76 43.8 24.2 19.2 5.8 7.1

Alle gelisteten Futter sind mit folgenden Zusatzstoffen ergänzt: Vit.A 2.200 I.E., Vit.D3 180 I.E., Kupfer (Cupfer(II)sulfat, Pentahydrat) 1,6 mg, Mangan (Mangan(II)oxid) 0,90 mg, Zink (Zinksulfat-Monohydrat) 15 mg, Selen (Natriumselenit) 0,07 mg

2. Die Ente im Nachbau

Schauen wir uns also an, welche Nährwerte zu erwarten sind. Wie immer werfe ich Hannes Seinen Futterrechner an und baue das Rezept rechnerisch nach mit frischen Zutaten. Es werden Nährstoffgehalte aus dem Bundeslebensmittelschlüssel via ÖNWT gegen den Nährstoffmindestgehalt gemäß FEDIAF (Seite 58) gerechnet. Beide Quellen kann man als Goldstandard der Bedarfsdeckungsrechnung betrachten. Da Menschen keine Knochen essen, kommen diese im BLS auch nicht vor – und sind hilfsweise basiert auf einer Untersuchung von Kienzle/Dobenecker. Am Ende sind die Mengen und daraus errechneten Nährwerte Schätzungen und dürfen sehr gerne vom Hersteller mittels Laboranalysen widerlegt werden.

Starten wir mit der Sorte Ente. Die Zutatenliste lässt wenig Interpretationsspielraum. Mangels Daten zu Entenherzen verwende ich hilfsweise Hühnerherzen, in die Mineralstoffe stecke ich zunächst rechnerisch nur die deklarierten Zusatzstoffe, Curcuma und Pfeffer lasse ich weg und ersetze sie durch 0,2g Wasser. Zuletzt füge ich 18,2g Wasser hinzu, um unterm Strich auf 100% zu kommen:

Lebensmittel Gramm kJ Prot Fett KH Faser Asche
Ente,Fleisch mit Haut frisch 41,0 387,1 7,4 7,1 0,0 0,0 0,4
Wasser 18,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Kürbis frisch 15,0 18,3 0,2 0,0 0,7 0,3 0,1
Reisvollkornflocken 8,0 119,2 0,6 0,2 5,9 0,2 0,1
Topinambur frisch 5,0 11,3 0,1 0,0 0,2 0,6 0,1
Ente,Hals ohne Haut frisch 2,5 20,6 0,5 0,4 0,0 0,0 0,2
Ente,Karkasse RFK 2,5 23,5 0,4 0,5 0,0 0,0 0,1
Huhn,Herz tiefgefroren 2,5 13,0 0,4 0,1 0,0 0,0 0,0
Ente,Leber frisch 1,5 8,2 0,3 0,1 0,1 0,0 0,0
Kokos,Raspeln getrocknet 1,5 41,9 0,1 1,0 0,1 0,2 0,0
Mineralstoffe LilaLovesIt 1,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Hanföl 0,7 25,7 0,0 0,7 0,0 0,0 0,0
Schwarzkümmelöl 0,3 11,0 0,0 0,3 0,0 0,0 0,0
Wasser 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Ascophyllum nodosum 430mgJ 0,1 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Summe 100,0 680,0 10,0 10,4 7,0 1,3 1,0
Originaldeklaration 495 9,8 7,8 5,1 1,7 1,6
Abweichung 185 0,2 2,6 1,9 -0,4 -0,6
Vollanalyse 635 9,6 9,3 9,3 0,6 2,9
Abweichung 45 0,4 1,1 -2,3 0,7 -1,9

Man erkennt in Summe deutlich, dass die erwarteten Makronährstoffe in dem Futter der Vollanalyse weitaus näher kommen als der Deklaration.

Generell weicht die Lebensmittelanalyse von der Futtermittelanalyse hinsichtlich der Faserstoffe ab: In Lebensmitteln sind lösliche und unlösliche Faserstoffe als Ballaststoffe deklariert, während in Futtermitteln nur die unlöslichen als Faser gezahlt werden und die löslichen in die NFE bzw. Kohlenhydrate reinrutschen. Beide Zahlen sollten also summarisch verglichen werden. Ebenso gibt es Unterschiede in der Mineralstoffberechnung: Bei Lebensmitteln werden nur die nutzbaren Elemente mitgezählt, während bei Futtermitteln die Asche gewogen wird. Die Asche enthält die ganze Verbindung. Z.B. ist 1g Calciumcarbonat in der Lebensmittelanalyse nur 0,36g Kalzium. Hinzu kommt, dass unserem fiktiven Mineralstoff mangels bisher fehlender Erkenntnisse keinerlei Mineralstoffgehalt zugeordnet ist.

Hier einmal die Zusammensetzung der Trockenmasse im Vergleich:

Trockenmasse im Nachbau Prot34%Fett35%KH24%Faser5%Asche4%
Trockenmasse im Original Prot37%Fett30%KH19%Faser7%Asche7% Trockenmasse in der Vollanalyse Prot30%Fett29%KH29%Faser2%Asche9%

Nun verfüttern wir unseren Nachbau rechnerisch an unseren 15-kg-Standard-Hund und schauen uns die Bedarfsdeckung der Mikronährstoffe an. Unser Hund benötigt 3,1MJ pro Tag und erhält rechnerisch 470g von unserem Nachbau sowie 492g von dem analysierten Futter. Mit der unterschiedlichen Menge wird die Zufuhr der tierischen wertgebenden Komponenten weitgehend dem Fertigprodukt angepasst:

Bedarfsdeckung des Nachbaus in % 102Energie124Protein402Fett100% Bedarfsdeckung des Produkts in % 100Energie124Protein383Fett100%

2.1. Die Aminosäuren

Aminosäuren im Nachbau Bedarfsdeckung in % 125Prot274Arg233His235Ile203Leu412Lys131Met109MC166Phe194PT185Thr139Trp188Val100% Aminosäuren im Produkt Bedarfsdeckung in % 125Prot280Arg267His189Ile191Leu335Lys117Met86MC142Phe167PT175Thr0Trp177Val100%

Was roh noch knapp bedarfsdeckend aussieht, ist erstaunlicherweise nach dem Garvorgang in der Dose nicht mehr voll bedarfsdeckend.

Ich habe ja schon öfter davon gehört, dass die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cyst(e)in nicht sehr hitzebeständig sind, sehe aber erstmalig hier schwarz auf weiß, welch negativen Effekt das haben kann. Nun interessiert mich aber doch schon, wie dies z.B. bei einem Senior-Hund, kastrierter Rüde mit wenig Aktivität und niedrigem Grundumsatz wirkt im Vergleich zum unkastrierten Jungrüden mit hoher Aktivität und normalem Grundumsatz: Der beschriebene Senior braucht knapp 2,2MJ oder 341g vom analysierten Futter, während der Junior knapp 4MJ oder 728g von dem Futter braucht.

Aminosäuren in 391g für Senior Bedarfsdeckung in % 87Prot194Arg185His131Ile133Leu232Lys81Met60MC99Phe116PT121Thr0Trp123Val100% Aminosäuren in 728g für Junghund Bedarfsdeckung in % 185Prot415Arg396His279Ile283Leu496Lys173Met127MC211Phe247PT259Thr0Trp263Val100%

Während unser Standard-Hund nicht direkt in einen Mangel an schwefelhaltigen Aminosäuren hineinlaufen wird, dürfte unser Senior bei Dauerfütterung Muskeln abbauen mangels Methionin, Probleme mit der Fettverbrennung mangels Carnitin und mit dem Herzen mangels Taurin entwickeln. Carnitin und Taurin sind Stoffwechselprodukte von Methionin. Im Hinblick darauf, dass es nicht wenige Hunde mit geringem Grundumsatz, höherem Alter und wenig Bewegung gibt, wäre es hilfreich, den Entenanteil im Futter zu erhöhen.

2.2. Die Spurenelemente und Mineralien

Mineralstoffe im Nachbau Bedarfsdeckung in % 45Ca100P107K78Na93Cl80Mg128Cu91J147Fe209Mn52Se*83Zn100% Mineralstoffe im Produkt Bedarfsdeckung in % 276Ca258P175K257Na410Cl164Mg74Cu342J560Fe222Mn0Se*86Zn100%

Im Nachbau sind nur die nativen sowie die als Zusatzstoff angegebenen Spurenelemente „verbaut“, nämlich Kupfer, Mangan, Selen und Zink.

Im Hinblick auf Jod, kennen wir für den Nachbau die Konzentration im vom Hersteller verwendeten Knotentang nicht – es kann mehr oder weniger drin sein. Die analysierte mehr als dreifache Bedarfsdeckung dürfte allerdings für empfindliche Schilddrüsen problematisch werden. Ob der hohe Gehalt aus dem Knotentang kommt, darf bei der gewaltigen Überdeckung allerdings bezweifelt werden.

Woher der immense Eisengehalt im analysierten Produkt stammt, ist aus dem Nachbau nicht nachvollziehbar. Möglicherweise ist im Futter ein höherer Blutgehalt im Fleisch, als im Schlachter-Produkt für Menschen. Allerdings kann das Eisen ohne hinreichend Kupfer gar nicht ins Knochenmark transportiert und zur Herstellung von Blut genutzt werden. Zudem hemmt ein Exzess die Mangan-Aufnahme.

Normalerweise liefert Reis ausreichende Mengen an Mangan – warum es hier überhaupt supplementiert wurde, erschließt sich mir nicht. Der berechnete und analysierte Zink -Gehalt ist recht knapp bemessen. Für mich völlig unverständlich ist der geringe Kupfer -Gehalt im analysierten Endprodukt im Vergleich zum erwartbaren Gehalt aus frischen Zutaten. Eigentlich erwartet man in Entenleber nach BLS durchaus nennenswerte Kupfergehalte. Wo sind die abgeblieben? Zeigt die Analyse sehr deutlich Schwankungen in den natürlichen Zutaten an? Man weiß es nicht, und ich möchte darüber auch nicht spekulieren. Etwas mehr Zusatz könnte Konstanz in die Kupferlage bringen.

Da zu Selen keine Daten existieren, kann man davon ausgehen, dass in den Zutaten durchaus native Gehalte enthalten sind, die es nicht in die Berechnung geschafft haben. Ob Selen nun ausreichend enthalten ist und ob gar die Supplementierung überflüssig ist, werden wir nun nicht erfahren. Es ist schade, dass genau dieser Wert nicht analysiert wurde.

Kommen wir zu den Makro-Mineralien. Hier wird eine sehr deutliche Überdeckung an allen Mineralstoffen erzielt, die völlig unnötig ist. Während in den Zutaten eigentlich nur Kalzium und Natrium wirklich defizitär sind und andere lediglich einen leichten Anschub benötigen, ist im Endprodukt sogar Magnesium auf den 1,6fachen Bedarf hochgeschraubt worden. Allein die Überdeckung des Kalziums beträgt mehr als 1,8g in 492g Futter. Bei nur 1% Mineralstoffzusatz ist allein das das schwer vorstellbar, denn Kalzium kommt niemals alleine daher, sondern als Phosphat, Carbonat oder Citrat.

Wenn man nun die Makromineralien im Nachbau von denen in der Analyse abzieht, kommt man ungefähr auf den ergänzten nutzbaren Mineralstoffgehalt:

in 100g Nachbau Analyse Ergänzung
Calcium 0,1 0,6 0,5
Phosphor 0,18 0,44 0,26
Kalium 0,24 0,38 0,14
Natrium 0,04 0,12 0,08
Chlorid 0,06 0,25 0,19
Magnesium 0,03 0,05 0,02
Summe 0,65 1,84 1,19

Hinzu kommen dann noch die begleitenden Mineralien, an die die nutzbaren gebunden sind (außer vielleicht bei Natriumchlorid aka Kochsalz oder Kalziumphosphat). Ich vermute eher eine zugesetzte Mineralstoffmenge von 2-3%.

Da stimmt was nicht!

Die Analyse-Werte bedürfen dann einer weiteren Betrachtung für den Senior-Hund und den Junghund, wie oben.

Mineralstoffe in 341g Bedarfsdeckung für Senior in % 191Ca179P121K178Na284Cl114Mg52Cu237J388Fe154Mn0Se*59Zn100% Mineralstoffe in 728g Bedarfsdeckung für Junghund in % 408Ca381P259K380Na607Cl243Mg110Cu506J828Fe328Mn0Se*127Zn100%

Insgesamt bleibt festzustellen, dass der Kupfer- und Zinkzusatz zu niedrig angesetzt ist und der Jodgehalt viel zu hoch. Alle drei Spurenelemente sind sehr wichtig für einen langfristig gesunden Stoffwechsel des Hundes. Dies bedarf einer dringenden Korrektur. Die analysierte Übermineralisierung ist mit lediglich 1% hinzugefügten Mineralstoffen unmöglich herzustellen. Sie ist darüber hinaus schlichtweg unnötig bei Calcium, Phosphor, Natrium und Chlorid – aber vermutlich nicht direkt schädlich.

2.3. Die Vitamine

Vitamine im Nachbau Bedarfsdeckung in % 373A76D46E213B164B2120B5293B676B12542B3725B9100% Vitamine im Produkt Bedarfsdeckung in % 247A109D119E139B153B20B5164B6436B120B30B9100%

Zunächst verwundert mich der – im Vergleich zum Nachbau – geringe Gehalt an Vitamin A im analysierten Produkt. Der sollte allein schon bedarfsdeckend aus der Entenleber kommen und eine Supplementierung wäre eigentlich nicht erforderlich, zumal das Vitamin als hitzestabil gilt. Gleichzeitig erstaunt mich der hohe Vitamin D -Gehalt im analysierten Produkt, denn außer dem Zusatz ist in der Zutatenliste keinerlei Vitamin-D-Quelle vorhanden. Ich hätte nun auch einen Mangel an Vitamin E erwartet – hier kann es aber durchaus möglich sein, dass vitaminiserte Öle oder nicht deklarationspflichtige Zusätze verwendet wurden. Mir persönlich wäre es lieber, wenn zugesetztes Vitamin E deklariert wird.

Die geringen Mengen an Vitamin B1 und B6 sind als Kochverlust durchaus plausibel und ebenfalls für B5 zu erwarten, was nicht analysiert wurde. Für B5 könnte es im Mangel landen, wo sich B2 bereits befindet und mit dem Gehalt im Nachbau konsistent ist. Wie die große Menge an Vitamin B12 in das fertige Produkt gelangt ist, erschließt sich mir nicht. Hinsichtlich B3 und Folsäure dürften ausreichende Mengen im Nachbau den Garprozess überstehen.

Auch hier ist es interessant zu sehen, wie sich die Versorgungslage auf geringen und hohen Kalorienbedarf auswirken:

Vitamine in 341g Bedarfsdeckung für Senior in % 171A75D83E96B137B20B5114B6302B120B30B9100% Vitamine in 728g Bedarfsdeckung für Junghund in % 366A161D177E206B178B20B5243B6645B120B30B9100%

Es wäre angeraten, den Gehalt an Vitamin B2, B5 und Vitamin D zu erhöhen – damit auch der Bedarf für den weniger energiehungrigen Hund gedeckt wird.

2.4. Das Fett

Ente zählt als sehr fettes Fleisch. Die Brust mit Haut hat in diesem Vogel besonders viel Fett – das macht die knusprig gebratene Entenbrust ja auch für Zweibeiner so lecker und bietet wirklich viel Fett an für die Creation großartiger Soßen. Und das Entenfett ist genau wie Hühnerfett sehr reich an Linolsäure. Nun hat dieses Futter im Nachbau wie in der Vollanalyse aber einen Fettgehalt, der ungefähr so groß ist wie der Proteingehalt. Dies ist eindeutig zu viel und wird über Kurz oder Lang zu Bauchspeicheldrüsenproblemen führen.

Die folgende Übersicht zeigt, woher der Hund welche Anteile der Energie in den Varianten Nachbau, Original-Deklaration und Vollanalyse zieht:

Energie der Makronährstoffe im Nachbau Prot25%Fett58%KH17%
Energie der Makronährstoffe im Original Prot30%Fett54%KH16% Energie der Makronährstoffe in der Vollanalyse Prot24%Fett53%KH23%

Dieses Überangebot an Fett schlägt sich auch im Protein-Energie-Koeffizient (in g Protein/MJ), der prozentualen Bedarfsdeckung an Linolsäure (LA%) sowie dem Omega-6 zu Omega-3 Verhältnis wieder (wobei aus der Weender-Analyse in der Original-Deklaration kein Fettsäurenprofil erstellt werden kann):

im Nachbau 1020250Prot/MJ14.71002722720LA%27225100ω6:ω36.7            im Original 1020250Prot/MJ19.8LA%ω6:ω3            in der Vollanalyse 1020250Prot/MJ15.01003823820LA%38225100ω6:ω35.8

Sowohl im Nachbau als auch in der Vollanalyse ist der Linolsäurebedarf (LA) u.a. für die Hautgesundheit mehr als reichlich gedeckt. Nun ist die Linolsäure eine Omega-6-Fettsäure, die mit ihren Stoffwechselprodukten entzündungsfördernd im Hund wirkt. Diese Entzündungsförderung kann mit Omega-3-Fettsäuren gehemmt werden, weil beide Omega-Typen um dasselbe Enzymsystem konkurrieren. Leider ist nicht zu erwarten, dass genügend Omega-3-Fettsäuren diese Entzündungsförderung wirksam hemmen. Und zusätzlich sind auch noch die falschen Omega-3-Fettsäuren enthalten: Während EPA vollumfänglich zu DHA verstoffwechselt werden kann und der DHA-Stoffwechsel die entzündungshemmenden Stoffe ablenken kann, kann weder Hund noch Mensch die Linolensäure (ALA) ausreichend zu EPA weiterentwickeln. Die Fettsäurenzusammensetzung ist also sehr unglücklich:

Gramm Bedarf In 470g
Nachbau
In 492g
Analyse
Fett 13,72 48,24 45,76
Linolsäure (LA, ω-6) 2,74 7,46 10,48
Linolensäure (ALA, ω-3) 0,11 1,07 1,82
Eicosapentaensäure (EPA, ω-3) 0,11 0,04 0,05
Docosahexaensäure (DHA, ω-3) 0,11 0,01 0,05

Nun schauen wir uns mal an, woher im Endprodukt die gigantische Menge an Fett stammt:

Lebensmittel Gruppe Menge Gehalt
Ente,Fleisch mit Haut frisch Fleisch 192,7 33,14
Kokos,Raspeln getrocknet Zusätze 7,06 4,60
Hanföl Fette 3,29 3,28
Ente,Karkasse RFK Fleisch 11,76 2,20
Ente,Hals ohne Haut frisch Fleisch 11,76 1,65
Schwarzkümmelöl Fette 1,41 1,41
Reisvollkornflocken Samen 37,6 0,83
Huhn,Herz tiefgefroren Fleisch 11,76 0,68
Ente,Leber frisch Fleisch 7,06 0,33
Topinambur frisch Gemüse 23,5 0,09
Kürbis frisch Gemüse 70,5 0,07
Summe 48,28

Gehen wir mal davon aus, dass das Fett in der Entenbrust konstituierender Faktor für das Produkt ist. Dann würde ich zu allererst das Schwarzkümmelöl aus dem Produkt entfernen, weil es lebertoxisch ist. Wer es gegen Zecken einsetzen will, nimmt nur wenige Tropfen – aber gewiss nicht 1,4g für den 15kg-Hund. Das wäre schon mal ein kleiner Teelöffel voll. Und wirksam wäre es ohnehin nicht. Als nächstes würde ich das Hanföl aus dem Produkt entfernen. Es liefert nichts außer der ohnehin reichlich vorhandenen Linolsäure, zudem in erheblichem Maß als Gamma-Linolensäure im Omega-6-Strang, der uns wirklich nicht weiter hilft. Als dritten Schritt würde ich die Kokosraspeln aus dem Produkt entfernen. Die zugeschriebene wurmwidrige Wirkung aufgrund der enthaltenen Laurinsäure ist innerhalb des Hundes genauso unwirksam wie das Eincremen des Hundes mit Kokosöl gegen Zecken. Allerdings kann Kokos erhebliche Mengen Selen enthalten, die möglicherweise defizitär sind. Die nutzlosen Fettlieferanten könnten teilweise durch Lachs-, Krill-, oder Agenöl ersetzt werden, um die „richtigen“ Fettsäuren EPA und DHA zuzuführen. Mir ist bewusst, dass es viele Hunde gibt, die auf „fischige“ Bestandteile reagieren – aber die Mehrheit kann dies gut ab und erfolgreich verstoffwechseln.

Die durch Elimination überflüssiger Fette frei gewordenen Prozente in der Gesamt-Komposition könnte man in Entenleber investieren, um etliche Fliegen aus den vorigen Kapiteln mit einer Klappe zu schlagen: Protein, Methionin, Kupfer und B-Vitamine. Natürlich müsste auch die Fleisch-Fraktion davon profitieren. Heraus käme natürlich eine neue Rezeptur, die der Produktentwickler aktiv gestalten sollte- Und wo wir schon gerade dabei sind, die Produktentwicklung zu besprechen:

Die goldene Paste aus Kurkuma, Pfeffer und Kokosöl in ein Alleinfutter zu integrieren ist eine semi-gute Idee: Sie hat Eigenschaften eines Antibiotikums, das neben pathogenen Keimen auch in die Darmflora einngreift. Sie sollte niemals Bestandteil der alltäglichen Ernährung sein, sondern bestenfalls kurweise eingesetzt werden.

Aus meiner persönlichen Sicht ist dieses Futter eine gute Grundlage und dicht an Bedarfsdeckung – ein dauerhaft empfehlenswertes Alleinfutter ist es nich.

3. Das Rind in Nachbau und Analyse

Folgt

4. Empfehlungen zur Optimierung des Futters

Folgt



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